Wie der Deckel unters Bier kam
Die Beschäftigung mit der gut hundertjährigen Kulturgeschichte des Bierdeckels ist schon deshalb interessant, als sie die Frage beantwortet, warum die runde Pappe mit Normmaß 107 Millimeter Durchmesser nicht Bieruntersetzer heißt.
Die Auflösung: Seinerzeit konnten sich die ärmeren Biergarten-Besucher keinen Krug mit Zinn- oder Silberdeckel leisten, wollten ihren draußen genossenen Gerstensaft gleichwohl vor Blätterfall, Ungeziefer und sonstigen unfreiwilligen Beigaben schützen. Dazu wurden zunächst Filz-Untersetzer umfunktioniert, ab 1880 aber Zug um Zug auf die hygienischeren Pappscheiben umgestiegen. Der unaufhaltsame Siegeszug werbender Pappen zum Millionen-Artikel begann nach dem 1. Weltkrieg.
Ihre multifunktionale Bedeutung jenseits der Schutz- oder Saugwirkung hat die Pappe längst unter Beweis gestellt: sei es als Schuldschein oder – geht es nach dem Willen einiger Radikalreformer – als Steuererklärung.



